Vita

– *1981 in Schlema (heute Aue-Bad Schlema)

– 1999 Abitur Immanuel-Kant-Gymnasium Chemnitz

– 1999-2005 Hochschule Mittweida (FH)

Dipl.-Immobilienw. (FH)

– regelmäßige Ausstellungsbeteiligungen seit 2010

– 2015 1. Atelier in Chemnitz

– 2017-18 Fachausbildung Kunst- und Kreativtherapie

– seit 2019 Atelier im alten Kesselhaus

– seit 2023 Mitglied GEDOK Mitteldeutschland e.V.

– 2024-2025 Vorstandsmitglied GEDOK Mitteldeutschland e.V.

www.gedok-mitteldeutschland.de

VG Bild Kunst

In dr Leßntz

 

Mein künstlerisches Schaffen

Als gebürtige Schlemaerin und ehemaliges Wismutkind bewege ich mich zwischen Geschichte, Tradition, Ästhetik und zeitgenössischer Kunst. Das Erzgebirge als prägender Erfahrungsraum hat meinen Blick auf Arbeit, Gemeinschaft, Ungleichheit und Sichtbarkeit bis heute nachhaltig geformt. Meine Arbeiten sind eng mit dem Erzgebirge verbunden, zugleich geht meine Arbeit bewusst über diesen Ort hinaus als zeitgenössische Sprache.

Im Zentrum steht zum einen eine Technik selbst, für die das Erzgebirge seit Jahrhunderten steht, aber auch die unzähligen namenlosen Klöpplerinnen dahinter. Ihre Arbeit sicherte über Generationen hinweg Leben und prägte gleichzeitig kulturelle Tradition, der Preis dahinter aber war oft  kaum gesehen oder der Wert der Leistung gewürdigt. Dabei griff bereits Louise Otto-Peters im 19. Jahrhundert ihre prekäre soziale und ökonomische Lage auf und machte so auf die gesellschaftliche Ungleichheit und weibliche Lebensrealitäten aufmerksam. Sie stehen auch in Verbindung mit der stets aktuellen Frage nach Künstlerinnen, aber auch Frauen generell, in der Geschichte, deren Arbeiten immer wieder übersehen, entwertet oder verschoben werden. Sichtbarkeit dieser Leistungen scheint hier kein Zustand sondern vielmehr etwas zu sein, was immer wieder neu hergestellt werden muss.

Gleichzeitig war und ist das Erzgebirge ein Raum bemerkenswerter Innovationskraft. Viele seiner bis heute lebendigen Traditionen sind aus Austausch, Bewegung und Anpassung, aber auch Mut hervorgegangen. Die Region war nie statisch, denke man an die Berggeschreye, sie war geprägt von Zu- und Abwanderung, von Impulsen, die von außen aufgenommen und in eigene Formen überführt wurden, von eigenen Entwicklungen, die ihren Weg in die Welt fanden. Diese Dynamik ist Teil des kulturellen Selbstverständnisses. Dazu gehören auch die Geschichten starker Frauen, die z.B. als Unternehmerinnen mit Mut und eigenständigem Handeln ihren Zeiten voraus soziale und kulturelle Gefüge entscheidend mitgeprägt haben. 

Klöppeln sehe ich für mich daher nicht nur als traditionelle Form im engeren Sinne, es ist vielmehr meine künstlerische Sprachform, die sich darauf ausrichtet, soziale, gesellschaftliche und kulturelle Aspekte zu erkunden und in eine zeitgenössische Bildsprache zu verwandeln. Arbeitsweisen ohne Vorlage knüpfen dabei an frühe Formen des Klöppelns an, bevor die spätere Standardisierung durch Muster- und Vorlagenbücher das Arbeiten stärker systematisierte  

Im meinen graphischen Arbeiten greife ich nicht nur erzgebirgische Motive als Basis der thematischen Auseinandersetzung auf, sondern arbeite bewusst mit Materialien im Sinne des erzgebirgischen Pragmatismus: aus mangelnder Verfügbarkeit von Materialien das zu verwenden, was vorhanden ist. Altes Papier aus dem Erzgebirge oder Reste, welche andernorts das „Abfallprodukt“ entsorgt werden würden werden zum Ausgangspunkt künstlerischer Prozesse.

Herzblut

poetisch, übertragen: Leben. Etwas „mit Herzblut tun“ bedeutet, die ganze Kraft und Liebe in ein Projekt fließen lassen.

Funfactgeboren im Erzgebirge und aufgewachsen zwischen tiefsten erzgebirgischem und sächsischen Mundarten war meine erste Sprache … Hochdeutsch.

Instagram: anett_schuster

Bitte beachtet: Das Atelier ist kein öffentlicher Raum.  Ich freue mich sehr über Gäste, bitte macht hierfür einen Termin aus.  Veranstaltungen werde ich  rechtzeitig bekannt geben. 

Personen, denen ich eine Kontaktaufnahme untersagt habe, ist das Erscheinen grundsätzlich nicht gestattet. Ein Verstoß wird in jedem Fall als Hausfriedensbruch gewertet und zur Anzeige gebracht. Ebenso ist für diese jegliche Teilnahme oder Inszenierung in allen meinen Kunstprojekten untersagt, um meine Urheber- und Persönlichkeitsrechte zu wahren. 

Bild rechts: „Gerda Elfriede Kuniß“ – Tinte & Tusche auf Altpapier für: Frauen machen Druck für Kunstblüten Chemnitz 2025 (Kreative Werkstatt Dresden e.V.)

Vielleicht gehören sie für andere zur Allgemeinbildung, mir sind die Gedichte von Louise Otto-Peters erst im Frühjahr 2024 begegnet. Ich bin in einer Arbeiterfamilie aufgewachsen, in der Kunst, Kultur und Themen wie Frauenbewegung oder Gleichberechtigung keine Rolle gespielt haben.

Die Gedichte „Klöpplerinnen“ und „Im Erzgebirge“, in denen das harte Leben der Klöpplerinnen ohne eben jene Rechte thematisiert wird,  haben mich sofort erreicht haben und etwas in mir berührt, das sich nicht mehr lösen ließ. Sie wecken die Erinnerung an Erzählungen meiner Oma und die Armut ihrer Kindheit, auch wenn sie Jahrzehnte später lebte. 

Über Generationen wurde selbstverständlich Arbeit geleistet, ohne benannt oder besonders gewürdigt zu werden. Arbeit, die den Alltag getragen hat, die Existenzen gesichert hat und doch oft im Hintergrund geblieben ist. Die Gedichte geben dem eine Sprache, was einfach war, ohne dass darüber gesprochen wurde.

Das Projekt der Kreativen Werkstatt Dresden e.V. zeigt mit Arbeiten von Künstlerinnen fiktive Geldscheine jeweils mit dem Abbild einer Frau mit einem Wert zwischen 5-150 EUR. Aus meiner Auseinandersetzung mit Louise Otto-Peters ist als Würdigung unzähliger Frauen diese Arbeit entstanden. Die Vorderseite meiner Arbeit  zeigt meine Großmutter, die Rückseite einen Auszug eines dieser Gedichte und eine Gruppe von anonymen Klöpplerinnen.