
Meine grafische Arbeit entsteht an der Schnittstelle zwischen Körpergedächtnis, Intuition und zeichnerischem Impuls. Was sich auf dem Papier zeigt, ist oft weniger geplant als erinnert, nicht nur im biografischen, sondern auch im somatischen Sinn. Bewegungen, Linienführungen, Rhythmen: Vieles scheint aus einer tieferen Schicht aufzusteigen, jenseits des bewussten Gestaltens.
Beeinflusst wurde meine Technik in den letzten Jahren durch eine Reihe gesundheitlicher Herausforderungen, die sich auch auf meine Feinmotorik auswirkten. Diese Einschränkungen zwangen mich nicht zur Aufgabe, sondern führten zu einer radikalen Neuverhandlung von Technik, Geste und Zugriff. Ich bin Beidhänder, mal parallel, mal einander ergänzend und nutze dies nicht aus performativer Absicht, sondern aus organischer Notwendigkeit. Die Bewegungen beider Hände treten in Dialog oder arbeiten gegeneinander; aus diesem Spannungsverhältnis entstehen Linien, die sich verselbständigen dürfen.
Ein großer Teil meiner Arbeiten entsteht intuitiv. Ich beginne, ohne zu wissen, was entstehen wird. Das Unbewusste führt, der Körper erinnert und die Hand setzt um, was sich im Moment zeigt. Es gibt auch Werke, die ich bewusst plane, eine Idee gezielt vorbereite, aber selbst dann bleibt Raum für Abweichung, für die Intuition.
Die Zeichnung ist für mich ein Resonanzraum innerer Bewegungen. Sichtbar gewordene Spuren einer Auseinandersetzung mit dem, was sich nicht in Worte fassen lässt. Manche Bilder erzählen Romane, andere sind Standbilder eines Films.
Die Zeichnung wird so zum Ort der Verdichtung, Erinnern ohne Narration, Wissen ohne Sprache. Sie fügt sich ein in mein künstlerisches Schaffen, das sich immer auch als Spurensuche begreift: nach dem, was war, was geblieben ist.