+ Den Klöppelbrief zum Friedenstaubenprojekt gibt es unter http://www.schwaermerei.info/download | keine kommerzielle Nutzung | darf gern geteilt werden +
Spitzenwerke – frei, intuitiv & monumental
Das Klöppeln habe ich schon als Kind von meiner Großmutter im Erzgebirge gelernt. Ich kann mich kaum erinnern, es je nicht gekonnt zu haben. In meiner Jugend begann ich, mich vom klassischen Arbeiten nach Klöppelbrief zu lösen und entwickelte zunehmend eigene Entwürfe. Sogar ein Bikini entstand einmal – leider existiert er nicht mehr. Bei einem Klöppelwettbewerb belegte ich den 2. Platz mit eigenem Entwurf.
Mit dem Erwachsenwerden verabschiedete ich mich nicht nur von der Kunst, sondern auch vom Spitzenmachen. Es war mehr als nur eine kreative Pause: Ich mied gestalterisches Arbeiten konsequent und hatte mich an der allgegenwärtigen Spitze auch schlicht sattgesehen. Wenn man mit ihr aufwächst – auf Tischen, in Schränken, an Kleidung, als Bild an der Wand, als Schmuck an Weihnachtsbaum und Osterstrauß – entsteht irgendwann ein Überdruss.
Erst viele Jahre später, als andere Kunst bereits seit langem wieder Bestandteil meines Lebens war und inspiriert durch einen Maschendrahtzaun und die Reste alter Strohballenschnüre, kehrte auch die Lust am Klöppeln zurück. Ich begann, Zäune zu umklöppeln – und mit ihnen fand auch die Spitzenkunst ihren Weg zurück in mein Leben. Seither experimentiere ich mit Dimensionen und Materialien, setze Spitze in neue Zusammenhänge, fernab des angestaubten Images, das ihr oft noch anhängt. Man findet sie bei mir an Orten, an denen man sie nicht erwartet – in der Natur, in Industriebrachen, in Zwischenräumen. Nur selten arbeite ich noch im klassischen Maßstab. Der Umgang mit grobem Material und großen Formaten bildet ein Gegengewicht zu meinen Grafiken, in denen ich mit feinsten Linien zeichne – oft hunderte, manchmal tausende.
In meiner Arbeit setze ich sowohl sichtbare als auch verborgene Verbindungen ein. Sichtbare Knoten, Spuren des Machens, Unregelmäßigkeiten verweisen bewusst auf die ursprüngliche Handarbeit der Klöppeltechnik – lange bevor sie teilweise durch Maschinen ersetzt wurde. In diesen Dimensionen ist es nicht nur Handarbeit, sondern auch Handwerk. Körperlich anstrengend, schweißtreibend, muskelaufbauend. Das darf sichtbar sein. Ich arbeite fast immer ohne festen Entwurf, entwickle die Motive während des Prozesses, passe Muster an, verwerfe Ideen, probiere Neues. Das Klöppeln wird so selbst zum Experiment.
Meine Materialien spannen den Bogen von Naturgarnen wie Hanf und Sisal bis hin zu modernen, synthetischen Varianten wie Polypropylen. Diese Verbindung von Tradition und Gegenwart ist kein Zufall. Ausgerechnet das Garn, das aus der Ferne am stärksten an klassische Klöppelspitze erinnert – aufgrund seiner weißen Farbe – ist eines der künstlichsten, aber für mich als Allergikerin das verträglichste. Auch Reste von Verpackungen, Pappe, alte Kabel oder ähnliche Fundstücke verarbeite ich teilweise mit der Klöppeltechnik.
Näheres zu einzelnen Werken ist auch unter Art (hier klicken) zu finden.
Installation – Begehungen 2018
Material: Sisal und Polypropylen, Geschirr, Äpfel
Länge der Spitze: ca. 13 m
Kaffeetrinken und ein Garten, besonders Kaffeetrinken im Kleingarten ist das verbindende Element vieler verschiedener Alters- und Gesellschaftsgruppen. Wer saß nicht schon irgendwann einmal in seinem Leben an einem Sommertag am Gartentisch zur Nachmittagszeit? Oftmals reichen Erinnerungen an diese gemeinsame Erlebnisse bis in frühe Kindertage zurück.
Die Installation ist eine Reminiszenz an genau diesen Augenblick. Was die Gartentische der Vergangenheit durchaus gemeinsam haben konnten, besonders in den Gärten der Kleingartensparte, war die praktische Tischdecke aus abwaschbarer Plastik. Dies wird aufgegriffen mit dem weißen Material. Es ist belastbares Polypropylen aus der Landwirtschaft. Das Naturgarn Sisal wiederum nimmt Bezug auf den Ort der Begebenheit: im Freien.
Die Installation weckt Erinnerungen:
- an Sommertage unterm Apfelbaum, wenn der Wind durch das Blätterdach weht
- an gemeinsame Vesper
- an Kindertage
- an mehr oder weniger liebe Verwandtschaft, die vielleicht ebenfalls der Spitzenkunst verfallen war
- uvm.
(Die Äpfel sind KEIN Bezug auf chemnitz2025. Zum damaligen Zeitpunkt Sommer 2018 war die Kulturhauptstadt sowie „Die Parade der Apfelbäume“ noch nicht absehbar.)

Washday 1 – Laundry Tub
Washday 1 – Laundry Tub

Washday 2 – Laundry Place
Washday 1 – Laundry Tub

Washday 3 – Ironing Chamber
Washday 1 – Laundry Tub
